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Synchronititäten

Die Wirkungsweise eines Karmas am Beispiel des Krokodils

Eingebunden in Abläufe (gemeint ist hier das Leben) sollte sich das Karma - nach erfolgreicher Verbannung aus dem „Ich“ - in Form von Synchronizitäten zeigen. Dies tut es umso sicherer, je mehr das Erleben unbewusst ist und jede Fixierung auf das Karma aufgegeben wurde.

Jede Erkenntnis über das Karma folgt einer erfolgreichen Belebung, was der Natur der Sache entspricht, da wir es hier mit einem nicht bewussten, kollektiven Inhalt zu tun haben. Dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse: das eben jede Erkenntnis über das Karma auf die Belebung folgt.

Nachfolgende Erkenntnisse sollten sich von den Veränderungen ableiten lassen, welche das Karma im Leben des Einzelnen verursacht hat. Doch welcher Art sind die Veränderungen, die ein belebtes Karma von der Qualität des Krokodils hinterlässt?

Um diese Frage zu beantworten, wenden wir uns den Mythen zu – wohl wissend, dass wir hier nur Stückwerk liefern können, und es eine gesamte Analyse nicht und niemals geben kann. Wer die Arbeiten der aztekischen Meister - wie den „Büßer“ – kennt, wird erkennen, dass es in alten Zeiten radikale Ansätze gab, Metamorphosen zu verwirklichen und es liegt klar auf der Hand, dass nur eine verwirklichte und gelebte Verwandlung dem Einzelnen Auskunft darüber gibt, was sie eigentlich ist.

Unter diesen Vorzeichen wenden wir uns nun dem Krokodil im alten Ägypten zu.

Die Überlieferung besagt, dass das Krokodil nicht mit den nötigen Mitteln versehen war, seine Art fortzusetzen. Nicht trotz, sondern aufgrund dieser Eigenschaft, war es das Symbol der höchsten schöpferischen Energie. Hier ist es speziell der Gott Sebek, der symbolisch für die Entwicklung höchster Unschuld in höchste Fruchtbarkeit steht.

Auch in Ostindien steht das Krokodil für dieselbe Idee: jedes Jahr wurden dort junge Mädchen auserkoren, sich mit dem Krokodil zu paaren, um eine sichere Ernte zu garantieren. In die Rolle des Krokodils schlüpfte dann ein „wandlungsfähiger“ Schamane und schlief mit der Jungfrau.

In diesem Zusammenhang hat nun das Krokodil einen wesentlich weiter gefassten Bedeutungsinhalt, als den, welchen wir zu Anfang erarbeitet hatten. Man kann auch sagen, es hat einen tieferen Bedeutungsinhalt.

Die Transformation von höchster Unschuld zu höchster Fruchtbarkeit scheint auf den ersten Blick eine löbliche und edle zu sein. In hohem Maße erstrebenswert. Vielleicht ist das tatsächlich so - schauen wir uns allerdings die Folgen für die „Unschuld“ an: Nur der Verlust der Unschuld kann zur höchsten Fruchtbarkeit führen. Und dies ist für die Unschuld ein verheerender und grausamer Akt.

Nun können wir annehmen, dass Grausamkeit, in welcher Form auch immer, den Prozess einläutet, welcher durch das Krokodil symbolisiert wird. Es ist eine Transformation, an deren Ende höchste Fruchtbarkeit als Ziel steht und die mit der Zerstörung etablierter Muster beginnt. Eine ähnliche Symbolik finden wir in den Tarotkarten bei dem Trumpf „Der Turm“ und in einer höheren Interpretation, beim „Narren“.

Es ist in diesem Zusammenhang müßig, sich mit den philosophischen Fragen nach dem Verlust der Unschuld auseinanderzusetzen, weil dies kein philosophisches Modell ist. Die Tarotkarten jedoch reflektieren genau genommen jene Bereiche, mit denen wir es hier zu tun haben, weshalb ein Studium an dieser Stelle eine Bereicherung darstellt.

Wir sprechen also von einer aktivierten Matrize unseres Unterbewusstseins. Fern liegt mir jeder romantisch – verklärte Ansatz, in dem unser Unterbewusstsein immer weiß, was gerade gut für uns ist und wir nur warten müssen auf das, was wir dann dankend annehmen können.

Bei einem aktivierten Karma handelt es sich vielmehr um eine Form der Besessenheit. Indem es Besitz von uns ergreift, etabliert es sich in unserer Welt. In diesem Sinne ist das Unterbewusstsein eine blinde Kraft – und ein Karma, welches zu wirken beginnt, tut dies, ohne dass man es jetzt noch stoppen könnte. Überhaupt sind die maßgeblichen Intentionen des Unterbewusstseins blinde Kräfte, wie zum Beispiel Instinkte, Triebe und Intuitionen. Das Karma als blinde Kraft wurde gerufen und bahnt sich nun seinen Weg hinaus in unser Bewusstsein, welches es beginnt, zu transformieren. Und damit verändert sich unsere gesamte Realität, unsere Welt.

Nun beginnt das „Ich“, jedes mal als Regulator einzugreifen, wenn Metamorphosen im Bewusstsein Veränderungen hervorrufen. Konkret heißt das, dass jener Komplex – genannt „Ich“ – eingreift und versucht, die Kontrolle zu übernehmen, wenn die Veränderungen, welche stattfinden, zu radikal sind oder als lebensbedrohend eingestuft werden.

Das kann beim aktivierten Krokodilkarma durchaus der Fall sein. Wir müssen uns nur fragen, wie der Verlust der Jungfräulichkeit für die jungen Mädchen wohl gewesen ist, welche in einem alten archaischen Ritus eingebunden sind oder waren. Der Verlust der Unschuld – gerade unter diesen Umständen – ist wohl mit großer Angst, Unsicherheit und Schmerz verbunden, mit Entbehrung und seelischer Pein. Und da ist es auch kein großer Trost, dass man geehrt und vielleicht gefeiert wird von einer Dorfgemeinschaft, welche im Augenblick des Koitus tanzend um das Zelt kreist.

Hier ist der Verlust der Unschuld ein einsamer und gewalttätiger Akt. Destruktives Verhalten durch mich an mir und durch andere, ist ein sicheres Kennzeichen des Krokodils in seiner Form als aktives Karma.

Es mag sein, dass große Teile der eigenen Lebenswirklichkeit zerstört werden. Das eigene „Ich“ fühlt sich hier enorm bedroht und beginnt letztendlich, Strategien zu entwickeln, um wieder verlässliche Orientierungspunkte zu schaffen, eine Basis, welche sicheren Boden für das bedrohte Selbst ist.

Die Begriffe „Samsara“ und „Maya“ beschreiben den illusionären Aspekt dieser Situation, welcher von uns selbst initiiert wurde, als dessen Opfer wir uns aber jetzt vielleicht empfinden.

An dieser Stelle kann nun auch der erkenntnistheoretische Aspekt der Arbeit beginnen. Wie gesagt, folgt jede Erkenntnis über das Karma auf eine erfolgreiche Belebung. Und in dem Maße, wie das Karma Einzug hält in unser Leben, so steigt auch unsere Fähigkeit, uns das Karma bewusst zu machen und von ihm zu lernen. Aus den Tiefen des Unterbewusstseins haben wir uns einen bestimmten Bereich zu Eigen gemacht und können nun mit ihm arbeiten – oder zumindest seine Wirkungsweise reflektieren.

Denn ausgeliefert sind wir ihm; hat ein Karma mit seiner Bewegung begonnen, ist das „Ich“ zu klein, es zu stoppen. Das Karma wird sich komplett ausfalten, ähnlich einer Welle, welche am Strand verebbt. An der Brandung des Selbst jedoch bricht es sich, und lässt den innersten Wesenskern gänzlich unberührt: Es gibt nun einmal keine Antwort auf das Reine Sein.

Wir sprechen hier von der Wirkungsweise des Karmas am Beispiel des Krokodils. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass ein Karma immer so radikal in seiner Wirkungsweise ist.

Im Gegenteil:
In der Regel wirkt ein Karma subtil. Seine Qualität und sein Wesen sind eben die einer blinden, nicht bewusst reflektierbaren Kraft. Alle Veränderungen in unserer Welt werden wir zuerst ursächlich uns zuschreiben. Im besten aller Fälle ist uns sogar die Formulierung unseres Wunsches gänzlich entfallen und nur durch einen „Zufall“ – meist in Form einer Synchronizität - fällt uns „das Vergessene“ wieder ein, wird uns bewusst.

austin osman spare
Aphorismen